Lendwerk

Marschallgasse 36
8020 Graz
Mail: office@lendwerk.at
Tel.: +43 (0)699 10248050
lendwerk.at

Lendwerk auf @lendwerk

ÖFFNUNGSZEITEN:
DI – FR 11–17 Uhr

Lendwerk, das ist ein multifunktioneller, kreativer Raum. Ein Raum, der nicht nur Platz zum Arbeiten bietet, sondern inspiriert, motiviert und den Geist atmen lässt. Was genau das bedeutet, erzählen wir euch hier.

Eine große Werkstättenfläche in einem knapp 100 Jahre alten Gebäudekomplex, eingerichtet mit Stil und Charakter, damit man sich heimisch und beflügelt fühlt. Das verspricht das Lendwerk, eine Co-Werkstätte mitten im Lend. Dort können KünstlerInnen und HandwerkerInnen statt dem klassischen Computer-Büroplatz Arbeitsplätze in den Bereichen der Töpferei, Glasperlen-Wicklerei oder in einer Vergolder Werkstatt anmieten.  Die Co-Wekstatt bietet Zugang zu eigenen Holz- und Farbräumen und hat sogar eine eigene Kalkgrube aus der frische Farbe geerntet und mit mineralischen Pigmenten gemischt werden kann. Außerdem finden hier regelmäßig Kurse und Workshops für AnfängerInnen und Fortgeschrittene in verschiedenen Handwerksbereichen statt.

Flexibler Raum in einer ehemaligen Schlosserei

Das Lendwerk wurde 2017 gegründet und hat die Idee, mehrere Handwerke unter einem Dach und in einer familiären Atmosphäre zu vereinen. Räumlich setzt sich die Werkstättenfläche aus den Parzellen Afritschgasse 22 und 22a sowie Marschallgasse 36 und dem ehemaligen Haus der Marschallgasse 38 zusammen. Letzteres wurde im Krieg zerstört und nicht mehr aufgebaut – lediglich der Keller ist noch im Ursprung vorhanden. Vor dem zweiten Weltkrieg war das Areal geprägt von einer Schlosserei, die eine Transmission betrieben hatte. Die Kupferschmiede und Hammerwerk Jessernigg und Urban waren die Betreiber und Errichter der noch bestehenden Antriebswelle aus der Jahrhundertwende. Die haupttragenden Teile der Transmission sind heute noch zu sehen.  

Die drei Säulen des Lendwerks

Die verschiedenen Handwerke des Lendwerks gibt es schon länger. So ist der Jahrhundertmaler schon seit 1985 tätig. Viktor Steiner hat den elterlichen Malerbetrieb, der seit den 1920ern existiert, weiterentwickelt. Heute ist er spezialisiert auf historische, teilweise hunderte Jahre alte Handwerkstechniken. Das bedeutet konkret: Denkmalpflege und Restaurationen fürs Bundesdenkmalamt. Sein zentraler Bereich sind das Vergolden, Oberflächenveredelungen, Stuck im Innen- und Außenbereich sowie historische Kalkanstriche.  Er bietet, je nach Saison, drei bis 15 Personen Arbeit im Lendwerk.

Das Töpferstudio Earthware wurde 2002 gegründet. Eine Mitarbeiterin macht hier experimentelle und Gebrauchskeramik. Hier wird mit EM-Keramik, also mit effektiven Mikroorganismen, gewerkt. Abnehmer finden sich sogar im biologischen Landbau.

Das Glasperlenstudio gibt es seit 2013. Ursprünglich war es im Hinterhof tätig – durch die Eröffnung des Lendwerkes kam es an Geschäftsräume. Für Murano-Glasarbeiten gibt es übrigens nur im Ausland eine Ausbildung. Hinter dem Glasperlenstudio steht Michaela Steiner. Sie ist autodidaktische Keramikkünstlerin, die auch Kurse im Lendwerk organisiert und die Buchhaltung leitet.

Alltag und Zukunft

Unter den KundInnen des Lendwerks sind sowohl NachbarInnen aus dem Viertel, die ihre Stuckdecken restaurieren möchten, alte Möbel zum aufpeppen bringen oder neue Inneneinrichtungen veredeln lassen wollen. Außerdem sind das Minoritenkloster und die Barmherzigen Brüder Restaurationskunden und es gibt zahlreiche Kooperationen mit ArchitektInnen und InnenausstatterInnen. 

„Es sind Nischen, die uns das tägliche Leben finanzieren können“, erklären die HandwerkskünstlerInnen ihren beruflichen Alltag. Da das Handwerk aber sehr aufwendig ist, wird es keine Zukunft ohne erhöhte Preise geben können. Wertgeschätzt fühlen sich die HandwerkerInnen jedenfalls: „Es ist Knochenarbeit, aber sie wird sehr geschätzt, vor allem wenn Personen herkommen und selber mal Hand anlegen. Dadurch erkennen sie meistens die wahren Qualitäten des jeweiligen Handwerks.“

Das Lendwerk bietet Kurse an. Alle Infos darüber findet ihr unter lendwerk.at


Interview und Fotos: Maria Reiner, Text: Anna-Magdalena Drusko.