Da Loam – Kunst- und Keramikstudio

DA LOAM – Kunst- und Keramikstudio
Selma Etareri
Mariahilferstraße 11
8020 Graz
Tel +43 650 2812222
Mail office@selma-keramik.at
www.selma-keramik.at

Beim Handwerk geht es darum, dass sich die Leute was Schönes ins Haus holen!“

Selma Etareri, selbstständige Keramikkünstlerin

WIE ALLES BEGANN
Selma entstammt einer Künstlerfamilie aus Bad Hofgastein, der Vater war Bildhauer, Drechsler und Tischler. Schon als kleines Kind verbrachte sie viel Zeit in der väterlichen Werkstatt. „Ich war ein Küchen-Flüchtling, meine Mutter und der Haushalt waren ein permanenter Flucht- und Versteckens-Grund“.

Selma hat schon als Kind begonnen mit Keramik zu arbeiten. Sie absolvierte zuerst die 4-jährige Keramikfachschule in Stoob und begann dann die Meisterklasse in Graz zu besuchen bis zur Geburt ihres ersten Kindes. Seit Anfang der 90er-Jahre ist Selma als selbstständige Künstlerin und Performerin tätig. Das in der Mariahilferstraße 11 beheimatete Kunst- und Keramikstudio DA LOAM gründete sie im Jahr 2005. Zu Beginn hat sie vor allem getöpfert und große Gefäße und Figuren gebaut. Sie arbeitet als Künstlerin spartenübergreifend und interdisziplinär.

DAS KERAMIKHANDWERK – EIN GEDIEGENES HANDWERK MIT LANGER TRADITION
Beim Keramikhandwerk handelt es sich um ein gediegenes Handwerk, das man wirklich von der Pike auf lernen muss, um es zu können“. Selma macht alles selber, nur in Stoßzeiten hat sie ihre HelferInnen, die sie zum Beispiel beim Schleifen der Formen unterstützen. Beim Bauen der Formen, dem Ausgießen, Glasieren und Bemalen muss Selma selbst Hand anlegen, sonst wird das Ergebnis ein anderes. Noch intensiver ist dies beim Töpfern. Gerade beim Töpfern spürt man die Persönlichkeit der Hand, die es macht. Ebenso beim Modellieren.

ALLES BEGINNT MIT DEM MATERIAL
Das Rohmaterial kauft Selma bei St. Peter Keramik in Graz oder direkt bei den Herstellern. In Österreich gibt es Töpfertonvorkommen in Stoob, dem ältesten Töpferdorf Österreichs. Pro Jahr verarbeitet sie mindesten zwei Tonnen an Material, in manchen Jahren auch wesentlich mehr.

Sie fertig große Gefäße, Figuren und Geschirr aus Porzellan, Steinzeug (Ton) und Papier. Ihre Bronzeplastiken lässt sie bei Slavko Mikic im Burgenland gießen.

Das Geschirr wird aus Porzellan gegossen. Die Prototypen dafür werden aus Ton gedreht und geformt. Davon wird dann eine Negativgipsform gemacht, in die wird das Porzellan dann eingegossen.

Selma schmeißt keinen Ton und keine Glasur weg. Es wird alles wieder aufbereitet. Der Ton wird zuerst mit Wasser eingesumpft und dann im Tonschschneider wieder zu einer gleichmäßigen Masse verarbeitet. Nur verunreinigte Materialien kommen auf den Sturzplatz.

VOM PORZELLAN BIS ZUR IRDENWARE (Irdenware ist übrigens roter Ton)
Keramische Massen haben eine Hierarchie: Je härter das Material gebrannt werden kann, desto höher ist die Qualität. Ganz oben ist das Porzellan und gleich darunter kommen das graue und weiße Steinzeug. Das Porzellan hat fast die gleiche Härte wie Saphir und Diamant. Im Vergleich dazu ist Ziegel wie Speckstein. Irdenware und Lehm bleiben porös, sind aber für Kunst und Architektur ein sehr wertvolles Material.

Ich freu mich jeden Tag, dass ich noch da bin, obwohl das Geschäft auf sehr luftigen Füßen steht.“

Selma Etareri

DIE WEITERGABE DES WISSENS
Selmas Hände und ihr künstlerisches Wesen sind ihr Kapital. „Ich freu mich jeden Tag, dass ich noch da bin, obwohl das Geschäft auf sehr luftigen Füßen steht.“ Was ihre KundInnen betrifft, lebt sie mehr von Aufträgen denn von Laufkundschaft.

Ihr Wissen gibt Selma auch in zahlreichen Workshops weiter. Wobei die Weitergabe von Wissen wie ein zweischneidiges Schwert ist – einerseits gibt sie gern ihr Wissen weiter, aber ist stocksauer, wenn jemand sie eins zu eins kopiert.

Stolz ist sie auf SchülerInnen, wenn sie sieht wie diese beim Arbeiten mit den Händen aufblühen. Die Workshops veranstaltet Selma nun schon seit 30 Jahren, ihre SchülerInnen kommen aus allen Altersstufen und aller Herrenländer. „Töpfern liegt zurzeit total im Trend“, meint Selma.

KEIN WOCHENENDE, KEIN URLAUB, ABER KAFFEEPAUSEN!
Selma arbeitet seit 30 Jahren von Montagmorgen bis Sonntagabend und schupft nebenbei auch ihre Kinder. Sie arbeitet bis zu 12 Stunden am Tag. Von Samstag bis Dienstagvormittag erzeugt sie Porzellan. Dienstagnachmittag ist sie im Geschäft und macht „Papierkrieg“. Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstagvormittag ist sie im Geschäft und für ihre Kunden da. Nebenbei modelliert und bemalt sie, hält Kurse, räumt die Öfen voll und brennt die Keramik, versucht Ordnung zu halten und macht Kaffeepausen mit Freundinnen und Freunden. Die liebt sie über alles!

WIE GLAUBST DU, DASS ES WEITERGEHT MIT DIESEM HANDWERK, SELMA?
Das Handwerk gibt es ja schon immer – mal offensichtlich, dann wieder etwas versteckt. Es kommt immer wieder vor, dass wir kleinen Handwerker und Künstler neue innovative Produkte kreieren, die von der Industrie übernommen und vervielfältigt werden, in solchen Unmengen, dass es den Markt erschlägt und natürlich auch die Handwerker, denn preislich kann man als Handwerker da nicht mithalten. Aber gerade jetzt in dieser weltweiten Krise haben immer mehr Menschen großes Interesse am Handwerk, wollen nähen, stricken, töpfern, drechseln . Vieleicht gibt es ihnen das Gefühl, ihr Leben selbst in der Hand zu haben. All jene, die ein Handwerk selbst ausprobieren, haben Hochachtung vor handwerklichen Produkten, das fördert im Grunde die Liebe zum Handwerk. Wenn dieser Trend anhält, werden die Leute in Zukunft eher bereit sein, mehr Geld für hochwertiges Handwerk auszugeben“, wünscht sich Selma.

„Im Handwerk geht es darum, dass die Leute sich was Schönes ins Haus holen!“,

sagt Selma.

LIEBLINGSSTÜCK
Eine Vase, die Selma bereits seit 11 Jahren hat mit einer eigenen Geschichte der Erzeugung.

EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT
„Seit ich aufrecht sitzen kann forme ich mit Ton – ich liebe es immer noch und kann mir nicht vorstellen es nicht zu tun. Ich bin süchtig nach der Arbeit, sie ist mein Lebenselixier. Allerdings tut zu viel arbeiten jetzt schon weh und ich muss dringend wieder einmal tanzen.“

In ihrem Onlineshop gibt es Selmas Produkte jetzt auch virtuell zu erstehen. Einfach mal reinschmökern www.selma-keramik.at/shop/

Interview: Maria Reiner & Karina Brünner; Text: Alia Bandhauer; Fotos: Maria Reiner & Karina Brünner; Lektorat: Textstudio Graz