J. Frühwirth Waagen GmbH

J. Frühwirth Waagen GmbH
Griesgasse 42
8020 Graz
Tel +43 316 711196
Mail office@fruehwirth-waagen.at
www.fruehwirth-waagen.at

ÖFFNUNGSZEITEN
Mo, Di, Mi, Fr 7:00 – 12:00 12:30 – 16:00
Donnerstag 7:00 – 12:00 12:30 – 16:15
Sa – So Geschlossen

DAS TEAM
Friedrich Romich Geschäftsführung, Qualitätssicherung und Automation  
Franz Matzer Leitung Kundendienst und Eichstellenleiter  
Herbert Reisenhofer Kundendienst und Zeichnungsberechtigter der Eichstelle  
Helmut Stering Kundendienst und Zeichnungsberechtigter der Eichstelle  
Alfred Bairl Kundendienst Schneidemaschinen und Vertrieb

Die Waage. Wovor so manch einer Angst hat, ist ihr Job. Bei Frühwirth Waagen in der Griesgasse wird alles gewogen – vom Haar, bis zum Waggon. Friedrich Romich, Geschäftsführer des Unternehmens, erinnert sich an die Anfänge und erzählt von einem Handwerk, das es so eigentlich gar nicht mehr gibt.

Um eines gleich vorweg zu klären: Die klassische Personenwaage fürs Badezimmer spielt hier keine besonders große Rolle. Das Kundenfeld von Frühwirth Waagen reicht dennoch von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zulieferer. Industrie und Apotheken geben hier ebenso Aufträge wie Fleischereien, Kauf- und Lagerhäuser. KundInnen sind alle, die feststellen müssen wie schwer etwas ist. „Der Großteil der Waagen um die wir uns kümmern, sind Großwaagen von 1,5 bis zu 60 Tonnen“, erklärt Friedrich Romich und ergänzt, dass die niemand mehr so leicht ins Geschäft bringt. Die meiste Arbeitszeit verbringen die Mitarbeiter im Außendienst vor Ort. Massenware wird hier nicht produziert. Die Personenwaage, die man im Möbelhaus kauft, wird hier zwar nicht hergestellt, sehr wohl aber könnte die Waage aus der Logistik des Möbelhauses von Frühwirth Waagen stammen. So, wie die Kleinwaage bis zu 15 kg, auf der am Bauernmarkt am Lendplatz das Gemüse abgewogen wird.

„Wir wiegen alles – vom Haar bis zum Waggon.“

Friedrich Romich, Geschäftsführer

„Wir machen alles, was mit Massenbestimmung zu tun hat“, beschreibt Friedrich Romich die Arbeit, „man könnte sagen, wir wiegen alles – vom Haar bis zum Waggon.“ Eine Waage wird heute nicht mehr aus mechanischen Teilen zusammengestellt, sondern besteht aus Wägezellen und Mechatronik, die appliziert werden. Dadurch können Waagen sehr individuell gestaltet werden. „Wir bauen die Waage genauso, wie der Kunde sie haben will“, meint Romich. Gebaut werden die Waagen nicht direkt im ANNENViERTEL. Hier wird Software entwickelt, getestet und repariert. Das größte Standbein ist die Eichung und Kalibrierung von Waagen. Diese Dienstleistung findet meistens direkt beim Kunden statt.

Neben Friedrich Romich sind noch vier weitere Männer im Betrieb tätig. Sie alle haben die Lehre zum Schlosser im Betrieb gemacht und sind ihm nach der Ausbildung auch als Angestellte treu geblieben. Durch die Modernisierung ist der Betrieb heute bei der Mechatronik angesiedelt.

Romich hat die HTL für Elektrotechnik absolviert und danach begonnen Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Nach dem Tod seines Onkels wollte er eigentlich nur ein Semester pausieren, um seinem Vater im Betrieb zu helfen. Diese Semesterpause hält noch immer an. Er hat dann berufsbegleitend Automatisierungstechnik und Wirtschaft am Campus 02 studiert. Aber erstmal auf Anfang …

VON DER FIRMA FLORENZ ZU J. FRÜHWIRTH WAAGEN

Vor einer halben Ewigkeit – 1922 – war Romichs Urgroßvater Filialleiter der Firma Florenz. 1932 konnte die Firma seinen Lohn nicht mehr bezahlen und hat ihm einfach die Maschinen hinterlassen. Dadurch übernahm Josef Frühwirth die Firma und führte sie selbstständig weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren mehrere Handwerksbetriebe im Haus: Frühwirth Waagen, der Kappenmacher Orehovc und die Kleidermacherin Frau Bieber. Heute ist nur mehr ein Handwerk im Haus, dafür wohnt und arbeitet die Familie Romich hier – einen Stock über dem Geschäft haben sie ihren Wohnraum ausgebaut.

„Bei einer Brückenwaage, die heute maximal einen halben Tag Arbeitsaufwand bedeutet, waren früher drei Personen mehrere Tage beschäftigt.“

Friedrich Romich, Geschäftsführer

„Das Geschäft wie es vor 50 Jahren betrieben wurde, hat mit dem wie es heute im Betrieb gemacht wird nichts mehr zu tun“, beschreibt Romich. Bei einer Brückenwaage, die heute maximal einen halben Tag Arbeitsaufwand bedeutet, waren früher drei Personen mehrere Tage beschäftigt. Der Betrieb hatte phasenweise bis zu 25 Mitarbeiter, die durch die Elektronik wegrationalisiert wurden. Günstiger wurde die Branche dadurch nicht. Während in den 60ern zwar das Produkt teuer war, war die Arbeitszeit sehr günstig. Heute ist es aufgrund der Lohnnebenkosten genau umgekehrt.

So wie die Zeit, hat sich auch der Markt verändert. Romich erinnert sich an seinen Vater, der wochenlang von Kunden zu Kunden fuhr, Kaufhäuser besuchte und einfach fragte, ob sie etwas brauchen. Während früher rund 100 Fleischereien unter den Kunden waren, sind es heute nur mehr fünf. Dafür hat sich die Anfrage der Industrie stark gesteigert und die technischen Anforderungen an den Betrieb sind gestiegen. In Graz gibt es heute übrigens zwei selbstständige Waagen- und Eichbetriebe.

VOM HANDWERK ZUM MECHANISCHEN VORGANG

Heute wird fast alles elektronisch gewogen. Die alten Oma-Waagen mit Gewichten, Hebelwerk oder Balken – also Waagen ohne Elektronik – sind zu aufwendig geworden. Solche werden im Betrieb zwar noch repariert, aber nicht mehr neu hergestellt. „Das Herstellen und Warten einer Waage war einmal ein Handwerk, mittlerweile ist es das nicht mehr wirklich“, erklärt Romich die Veränderung der Arbeit über die Jahre. Früher wurde geschweißt, gestaucht und gelötet. In der heutigen Elektronik gibt es das in dieser Art und Weise nicht mehr. Heute werden nicht nur Waagen und Schneidemaschinen angeboten, sondern auch EDV-Lösungen und Prozessautomatisierungsanlagen projektiert, in Betrieb genommen, gewartet und serviciert.  Die Handwerkskunst hat sich zu einem mechanischen Vorgang entwickelt. 



Begriffserklärungen – Quelle Wikipedia

EICHUNG
(von mhd. īchen „abmessen, visieren“, das auf lat. aequus „eben, gleich“ zurückgeht[1]) ist die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Prüfung eines Messgerätes auf Einhaltung der zugrundeliegenden eichrechtlichen Vorschriften, insbesondere der Eichfehlergrenzen nach dem Mess- und Eichgesetz.[2] Mit einem Eichzeichen wird die voraussichtliche Einhaltung für die Gültigkeitsdauer der Eichung bestätigt.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Eichung)

KALIBRIERUNG
Oft werden die Begriffe Eichung und Kalibrierung verwechselt. Eine Eichung ist ein hoheitlicher Vorgang für Messmittel im gesetzlich geregelten Bereich und erzielt eine ja/nein-Entscheidung (geeicht, nicht geeicht). Kalibrierung ist die Ermittlung von Werten und Unsicherheiten und findet im wissenschaftlichen und industriellen Umfeld Anwendung.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Eichung)

EICHGESETZ UND ÖFFENTLICHKEIT
Das Eichgesetz dient allgemein dem Verbraucherschutz. Messgeräte, an deren Messgenauigkeit ein öffentliches Interesse besteht, unterliegen der gesetzlichen Eichpflicht. Ein öffentliches Interesse besteht z. B. bei allen Messungen im Warenaustausch („geschäftlichen Verkehr“), aber auch im Bereich des Arbeits- und Umweltschutzes und in der Medizin.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Eichung)

ÜBRIGENS
Im Jahr 2004 wurde im Rahmen der Europäischen Union die Messgeräterichtlinie (Measuring Instruments Directive – MID) beschlossen. Diese Richtlinie soll Handelshemmnisse abbauen und gilt für Messgeräte, die erstmalig in den Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden. Der Hersteller hat die Wahl zwischen verschiedenen Konformitätsbewertungsverfahren. Die bisherige Rolle des Staates als Prüfer und Bewerter übernehmen dann sogenannte notifizierte Stellen. Diese werden für die Bewertung von Produkten, aber auch für die Anerkennung und Überwachung von Qualitätsmanagementsystemen tätig und werden für diese Aufgaben von den national zuständigen Ministerien notifiziert.
(Quelle: http://www.metrologie.at/richtlinien-mid-und-nawid/)

Interview: Kerstin Gruber & Maria Reiner, Fotos: Maria Reiner, Text: Anna-Magdalena Druško, Lektorat: Textstudio Graz