Lemur Bike & Bones

Lemur Bike & Bones
„Man braucht schon einen gewissen Mindest-IQ, um hierher zu finden“, meint Mike scherzhaft. Denn das Geschäft befindet sich etwas versteckt in einem Hinterhof in der Griesgasse 24. Ein auf der Fassade befestigtes Eisenschild weist mit den Worten „Bau-Konstruktions-Schlosserei K. Lubitz – Nachf. LEMUR Bike & Bones“ darauf hin, dass sich hier im Inneren die Fahrradwerkstätte befindet.

Lemur Bike & Bones
Griesgasse 24, Innenhof
8020 Graz
www.le-mur.at
office@le-mur.at

ÖFFNUNGSZEITEN
MO / MI / FR 10-18 Uhr
DI / DO 13-19 Uhr

ANGEBOT
Der Fokus liegt hauptsächlich auf Sporträdern aus dem Bereich Mountainbike und Rennrad sowie Lastenrädern.

Lemur Bike & Bones
„Man braucht schon einen gewissen Mindest-IQ, um hierher zu finden“, meint Mike , der die Fahrradwerkstätte eröffnete, scherzhaft. Denn das Geschäft befindet sich etwas versteckt in einem Hinterhof in der Griesgasse 24. Ein auf der Fassade befestigtes Eisenschild weist mit den Worten „Bau-Konstruktions-Schlosserei K. Lubitz – Nachf. LEMUR Bike & Bones“ darauf hin, dass sich hier im Inneren die Fahrradwerkstätte befindet. Das straßenseitige Gebäude, das auch als Durchgang zur Werkstatt dient, wurde im 16. Jh. errichtet und steht unter Denkmalschutz. Der hofseitige Gebäudekomplex, in dem sich der Shop und die Werkstatt befinden, stammt aus dem 17. Jh.

Wie das Eisenschild auch schon erahnen lässt, befand sich in vergangenen Zeiten ebenda eine Schlosserei.
K. Lubitz war der ursprüngliche Schlossereibesitzer, der, noch weit vor der Einführung von Elektrizität, mit allerhand Pressen und Schlagscheren manuell auf einer Esse, das Eisen schmiedete. Es folgte ein gewisser Puschenjak, dem allem Anschein nach die Lokalität zu klein wurde und der nach Gratkorn übersiedelte.

Nach dem Auszug der Schlosserei, standen die Räumlichkeiten leer, sodass sie mit der Zeit immer mehr verwahrlosten und nahezu einer Müllhalde glichen.

Mike hat in dem ungenutzten Leerstand Potential gesehen und entrümpelte die ehemalige Schlosserei. Im Mai 2014 eröffnete er dann seinen Bikeshop „Lemur Bike & Bones“.
Dass sich die harte Arbeit gelohnt hat, sieht man bereits beim Betreten des Fahrradfachgeschäfts: freigelegte Ziegelwände, wo unter dem Sortiment auch Bilder, Auszeichnungen und Fotos zu finden sind. Darüber hinaus sticht der Bullerjan Ofen sofort ins Auge, der nicht nur an kalten Tagen warm hält, sondern ein wahrer Hingucker ist.
Der rustikale Flair wurde mit unzähligen Fahrradutensilien in beiden Geschoßen perfekt kombiniert. Nicht nur Helme, Bekleidung und kleinteiliges Equipment, auch Rahmen und Fahrräder zieren Böden, Wände und Decken.

Unter dem wunderbaren Sortiment befinden sich auch einige Besonderheiten:

– Das Pinarello Bike aus Rimini, das in den frühen 90er Jahren hergestellt wurde: Dieses Fahrrad gilt als UCI Banned Bike, da es durch seinen Materialvorteil von offiziellen Rennen gesperrt wurde. Es ist nicht für den Verkauf gedacht.

– Das Tout Terrain Fahrrad aus dem Schwarzwald ist für jedes Gelände geeignet, egal ob Wüste oder Arktis. Es kann aktuell in verschiedenen Größen und Ausstattungsvarianten bei Lemur bestellt werden. Kein Sammlerstück! Ist 2020 erhältlich und nicht limitiert.

Mike hat zwei Mechaniker und einen Lehrling angestellt. Den neuen Lehrberuf „Fahrradmechatronik“ gibt es erst seit August letzten Jahres, vermutlich auch aufgrund der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrrädern.

Handwerk
Lemur Bike & Bones ist die einzige Werkstätte in der gesamten Steiermark, die Stahlrahmen nach Maß herstellt. Österreich-, aber auch weltweit, gibt es nur noch wenige Betriebe, die diesen Service anbieten.

Wie bei einem maßgeschneiderten Anzug, muss die Person, die einen Maßrahmen haben möchte, genau vermessen werden. Die einzelnen Rohrsätze werden dann zugeschnitten und mit Messing hart verlötet. Diese Rohrsätze bzw. der gesamte Rahmen besteht bei Lemur grundsätzlich immer aus Stahl. Bei einem Maßrahmen kann man individuell auf die Wünsche jeder Person eingehen . Der Rahmen wird nicht nur genau an die Körperproportionen (Beinlänge, Armlänge, Torse) angepasst, sondern man kann auch Besonderheiten im Rahmen hinzufügen lassen wie zum Beispiel: ovale Kettenstreben für eine zusätzliche Reifenfreiheit, innengeführte Züge oder Scheibenbremseaufnahme, um nur einige zu nennen.

Mike baut in Zusammenarbeit mit seinem Partner Quno im Schnitt etwas mehr als einen Maßrahmen pro Jahr, wobei zwischen Auftragsannahme und fertigem Rad circa fünf Monate vergehen. Fast wie bei einem Hattori-Hanzo-Schwert darf Zeit keine Rolle spielen – auf die optimale Ausführung kommt es an. Bislang lag der Fokus auf Endurance Rennrädern, aber auch Cyclocross, Bahnräder und Reiseräder wurden bereits gefertigt. Im Vorjahr wurden sie, wohlgemerkt, auch zum deutschsprachigen Rahmenbauer-Treffen in der Nähe von Böblingen eingeladen. 

(Diese Fotos vom Rahmen sind von Mike)

Bike-Community
Graz gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte in ganz Österreich und so ist es wenig überraschend, dass sich auch die Fahrradszene in Graz großer Beliebtheit erfreut und gut vernetzt ist. Erwartungsgemäß gibt es zwischen Lemur Bike & Bones und verschiedenen Vereinen Kooperationen. Zudem arbeiten sie immer wieder mit dem einzigen österreichischen Bike Magazin LINES und dem Sportamt Graz zusammen. Gemeinsam mit dem Verein Radlager Graz haben sie schon drei mal die Enduro Staatsmeisterschaften veranstaltet. 

In der Renn-Community war Lemur sehr aktiv und hat den mehrfachen slowenischen Enduro Staatsmeister Vid Persak gesponsert. Auch der Salzburger Kevin Maderegger konnte unter Lemur den österreichischen Staatsmeistertitel im Enduro Mountainbiken erreichen.

Nicht nur Mike hegt eine Schwäche fürs Rennfahren, auch seine Frau Michaela Thaler übte den Radsport mit Begeisterung aus und wurde in der Vergangenheit schon mehrfache italienische Staatsmeisterin in Crosscountry und Downhill.

Im ANNENViERTEL ist der Zusammenhalt der einzelnen Betriebe sehr hoch: So repariert und flickt die STOFFWERKSTATT Abdeckplanen und Bekleidung für den Bikeshop und die Brauerei EULEBIER bringt regelmäßig mit dem Lastenrad, welches sie von Lemur erstanden hat, koffeinhaltiges Bier in die Werkstatt, aber auch in andere innerstädtische Betriebe.

Das Fahrrad heute & damals
Heutzutage sind so gut wie alle Fahrräder Stangenware. Dies rührt daher, dass die Fahrradrahmen, die meist aus Aluminium bestehen, in großen Massen produziert werden und anschließend billig auf den Markt kommen. Viele Hersteller werben damit, dass Aluminiumrahmen leicht sind, was wohl zu einer der größten Fehlannahmen zählt. Denn die Dichte von Aluminium ist zwar um einiges geringer als die von Stahl, doch die Rahmen müssen einen stärkeren Rohdurchmesser aufweisen, um die gleiche Festigkeit erreichen zu können. So kommt es sogar dazu, dass ein hochwertiger Stahlrahmen weniger Gewicht hat als einer aus Aluminium.

Vor der Zeit der Aluminiumrahmen investierte man für ein neues Fahrrad ein Jahresgehalt, was sich heutzutage kaum noch jemand vorstellen kann.

Mike produziert in seiner Werkstatt nicht nur Rahmen, er möchte auch gezielt für die heutige Fahrrad-Generation Bewusstseinsbildung betreiben.

Zwar ist Lemur Bike & Bones nicht für die breite Masse gedacht, dennoch möchte Mike in Zukunft noch mehr Arbeitsplätze schaffen und die Radszene in Graz vergrößern.

Fahrradpedale
Damals: Styria Pedal mit gelbe Reflektorpunkte (Prä-Plastik-Ära).
Heute:  bestehen manche Pedale lediglich aus einem gegossenem Kunststoffkörper einfachster Machart.

KundInnen
Zu den KundInnen von Lemur Bike and Bones zählen nicht nur StaatsmeisterInnen, Bikeschulen und FahrradliebhaberInnen, auch eine Berühmtheit wie Arnold Schwarzenegger lieh sich hier ein E-MTB aus.

Stahl versus Aluminium

  • Stahl ist prinzipiell härter und widerstandsfähiger als Aluminium und hat eine höhere Tragfähigkeit. Er kann dünnwandiger verarbeitet werden und hält deutlich mehr Lastwechsel aus als eine Aluminiumlegierung.
  • Stahl zeichnet sich durch höhere Dauerfestigkeit und Duktilität aus, während die Wahrscheinlichkeit bei Alu deutlich höher ist, ohne vorherige Anzeichen zu brechen.    
       
  • Stahl hat eine geringere Wärmeleitfähigkeit und einen geringeren Wärmeausdehnungskoeffizienten. Wenn Temperaturschwankungen oder hohe Temperaturunterschiede ein Thema sind, ist Stahl besser     geeignet als Aluminium.    
       
  • Während die Eigenschaften von Stahl bei Temperaturen von 600°C noch unverändert bleiben, gilt das für Aluminium nur bis zu Temperaturen von 200°C.    

(Quelle: https://www.welser.com/Stahl-vs-Aluminium-Eigenschaften)

Aluminium als Werkstoff ist günstiger als Edelstahl. Dies ist u.a. im aufwändigen Herstellungsverfahren für Edelstähle begründet. Darüber hinaus gibt es beim Aluminium keine Legierungselemente, welche das Material teurer machen könnten.

WD-40
ist ein Kriechöl und ist aufgrund seiner mangelnden Schmierwirkung nicht zur Schmierung von Gewindespindeln oder Fahrradketten geeignet. Mike empfiehlt Kettenöl zu nehmen. Bei trockenen Bedingungen mit dünnflüssigerem und bei nassen Bedingungen mit „Wet Lube“.

Hartlöten
Das Hartlöten ist ein Lötverfahren, bei dem die Arbeitstemperatur zwischen 450° und 900° Celsius liegt. Die entstehenden Verbindungen sind unlösbar sowie leitfähig für Wärme und Strom. Bei lötgerechter Konstruktion und je nach Verfahren können Hartlöt-Verbindungen die Festigkeit der Grundwerkstoffe erreichen, während sie meist eine geringere Festigkeit als Schweißverbindungen haben. Ihr Vorteil liegt im niedrigeren Arbeitstemperaturbereich, der ein Verziehen der Werkstücke begrenzt. Hartlöten wird oft im Anlagen- und Werkzeugbau sowie bei Gas- und Wasserinstallationen verwendet. Wegen geringer technischer Anforderungen (Lötlampe, Gasflasche) eignet sich das Hartlöten für den mobilen Einsatz.

(Quelle: https://glossar.item24.com/glossarindex/artikel/item/hartloeten.html)


Text: Karina Brünner, Fotos & Videos © Karina Brünner & Maria Reiner, Lektorat: Textstudio Graz