Scala Messerfachwerkstätte

Die Messerfachwerkstätte Scala
zählt zu den ältesten Grazer Handwerksbetrieben und ist das älteste Stahlwarengeschäft in Graz. Bereits im Jahr 1873 (siehe Urkunde am Foto) wurde die Fachwerkstätte von Peter Scala, einem Auswanderer aus dem norditalienischen Gebirgsdorf Paularo – direkt an der österreichischen Grenze – gegründet. Damals haben sich übrigens einige Familienmitglieder der Familie Scala auf den Auswanderschaftsweg nach Graz gemacht. Daher gibt es noch heute einige Betriebe in Graz unter dem Namen “Scala”, die aber keiner Firmenkette angehören, sondern verschiedenen Einzelpersonen namens “Scala”.

Anton Scala, der Namensgeber und derzeitige Geschäftsführer zählt schon zur vierten Generation von „Scherenschleifern“.

Scala Messerfachwerkstätte / Foto © Maria Reiner

SCALA Messerfachwerkstätte
Mariahilferstraße 4
8020 Graz
+43 (0)316 712985
clemensnestroy@gmx.at
www.scala-messer.at

ÖFFNUNGSZEITEN
Montag bis Freitag 9–12.30 und 14.30–18 Uhr
Samstag 9–12 Uhr

KONTAKT
Clemens Nestroy und Werner Eisner

UNSER HANDWERK
Schärfen, Schleifen, Polieren, Reparieren

SONSTIGES
Verkauf eines breiten Sortiments von Messern, Scheren sowie Küchen- und Gartenutensilien bis hin zu Schwertern.

DAS BESONDERE
Persönliche und besonders charmante Kundenberatung & -betreuung, innerstädtische fußläufige Erreichbarkeit, situiert in DER Annenviertler Fußgängerzone, der Mariahilferstraße.

Scala Messerfachwerkstätte / Foto © Maria Reiner

Die Messerfachwerkstätte Scala
zählt zu den ältesten Grazer Handwerksbetrieben und ist das älteste Stahlwarengeschäft in Graz. Bereits im Jahr 1873 (siehe Urkunde am Foto) wurde die Fachwerkstätte von Peter Scala, einem Auswanderer aus dem norditalienischen Gebirgsdorf Paularo – direkt an der österreichischen Grenze – gegründet. Damals haben sich übrigens einige Familienmitglieder der Familie Scala auf den Auswanderschaftsweg nach Graz gemacht. Daher gibt es noch heute einige Betriebe in Graz unter dem Namen “Scala”, die aber keiner Firmenkette angehören, sondern verschiedenen Einzelpersonen namens “Scala”.

Anton Scala, der Namensgeber und derzeitige Geschäftsführer zählt schon zur vierten Generation von „Scherenschleifern“.

DAS GESCHÄFT UND DIE WERKSTÄTTE
Bereits beim Entlanggehen der Fußgängerzone in der Mariahilferstraße sticht die Auslage von A. Scala sofort ins Auge. Das Geschäft ist wunderschön alt, ähnlich anderen ebenfalls alten Grazer Geschäften, wie beispielsweise dem Samen Köller, ein paar Häuser weiter am Südtirolerplatz, besteht es aus einer grünen hölzernen Außenfassade. Das breite Sortiment an Messer, Schneide- und weiterem Werkzeug in der Auslage lädt zum längeren Verweilen ein und lockt einen förmlich ins Geschäft. Wirft man einen Blick in das Innere der Messerfachwerkstätte in der Mariahilferstraße 4, lässt einen das vielfältige Angebot ziemlich erstaunen: Messer, Scheren, Outdoor-Utensilie, Rasierzeug, Gartenscheren, Küchenutensilien, Knicker, Schwerter und vieles vieles mehr. Geteilt ist das Geschäft in drei Bereiche: Dem vorderen Verkaufsraum, einem kleinen Büroteil und einer Werkstätte im hinteren Bereich.

WERNER & CLEMENS
Beim Betreten ertönt ein lautes, lang anhaltendes klingeln, damit Werner, der langjährige und Vollzeitmitarbeiter alle KundInnen die den Laden betreten während seiner Schleifarbeiten hören kann, denn die Maschinen sind sehr laut. Werner ist zu den Öffnungszeiten im Geschäft immer anzutreffen. Er ist für die handwerklichen Tätigkeiten wie Schärfen, Schleifen und Polieren, gleichzeitig aber auch für KundInnenberatung und den Verkauf zuständig. Der ursprünglich gelernte Maler zog Anfang der 90er Jahre von Leoben nach Graz und wurde bereits 1991 im Betrieb angelernt.

Neben Werner gibt es Clemens Nestroy, den Neffen von Anton Scala. Er hilft geringfügig drei mal die Woche im Betrieb aus und ist für Kundenbetreuung, Firmentelefonate und Bestellungen zuständig. Clemens ist in seinem eigentlichen Beruf Fotograf für die freie Grazer Kunst- und Kulturszene, aber im Betrieb hilft er gern mit.

DIE FACHWERKSTÄTTE
Das Herzstück des Geschäfts ist wohl die Werkstatt selbst. Neben der Schleif- und Poliermaschine, findet man in Kisten und Schubladen unzählige Ersatzteile und Raritäten wie etwa alte Kuttermesser, Tafelmesser ohne Griff und einzelne Bestandteile von Taschenmessern.

Wir entdecken unter den ganzen Besonderheiten eine Schachtel mit Hirsch- und Rehgeweihen, die von Johann Scala, Clemens Urgroßvater, noch selbst zu Griffen für Messer angefertigt wurden. Das wird heute so nicht mehr gemacht. Es wird eigentlich fast nur noch geschliffen und repariert. Dass sich der Charme der Vergangenheit durch die ganze Werkstätte zieht, zeigen aber nicht nur die alten Ersatzteile.

Auch Fotos von älteren Generation zieren die Wände und eine von Clemens selbst ernannte Nostalgie-Schublade erinnert an längst vergangene Zeiten. In dieser Schublade befinden sich ehemalige Stempel und Briefpapier von Johann Scala, sowie ehemalige Vorlagen für Annoncen, noch auf Glas gemalt.


SCHLEIFEN – DER SCHLEIFVORGANG
Laut Werner benötigt man für die Arbeit als Schleifer Erfahrung, die man im Laufe der Jahre sowohl durch die Arbeit, als auch direkt von den KundInnen lernt und es braucht natürlich handwerkliches Geschick.

Der Ablauf eines Schleifvorganges, wie zb. einer Schere, läuft wie folgt ab:
Zuerst wird die Klinge mit einem Wasserstein geschliffen. Dabei wird das Metall ständig mit Wasser gekühlt, damit das Metall nicht zu heiß wird und seine Härte verliert. Anschließend wird die Klinge poliert und mit einer Glanzbürste gebürstet, um etwaige Staubreste zu entfernen. Zum Abschluss wird sie nochmals mit einem Stein fein abgezogen um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Zu guter Letzt wird die fertig geschliffene Klinge geölt. Dabei hört Werner ob noch etwas nachgeschliffen werden muss und sieht wenn er die Schere beiseite legt auf einen Blick durch das Glänzen des Gegenstandes, dass das Objekt bereits geschliffen wurde und bereit ist, von der Kundschaft abgeholt zu werden.

ALS AUS DER MARIAHILFERSTRASSE FUSSGÄNGERZONE WURDE
Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wurde die ehemals, für Auto befahrbare Mariahilferstraße zur Fußgängerzone umfunktioniert, was zum Verlust von einzelnen Aufträgen führte, da vor allem Landwirte und BäurInnen, die zuvor im Vorbeifahren ihre Kuttermesser zum Schleifen schnell in den Laden brachten, sich nun andere Betriebe suchten, „da der Transport der Messer ohne Direktzufahrt mit dem Auto zu umständlich wurde”, erzählt uns Werner. Doch brachte die Einführung der Fußgängerzone auch Ihre Vorteile. Denn neue Kundschaft tat sich auf: die Anzahl der TouristInnen und Laufkundschaft, die in den Laden kam, stieg. Dadurch stieg der Verkauf von Produkten, das Handwerk als Dienstleistung wird zwar noch gebraucht, wurde jedoch tendenziell bis heute geringer.

WIE GEHTS DEM BETRIEB HEUTE?
Die industrielle Massenproduktion und der Onlineverkauf machte sich natürlich in den Jahren auch in diesem handwerklichen Betrieb bemerkbar.

Vor ca. 50 Jahren waren noch drei bis vier Mitarbeiter und Lehrlinge angestellt, da man noch vermehrt Aufträge von lokalen Firmen bekommen hatte. Doch viele Betriebe wie Lederverarbeitung, Schneidereine, Fleischereine und Schusterwerkstätten mussten aufgrund der Verlagerung des Handels und Handwerks auf Massen- und Billigproduktion, Onlineplattformen, wie auch dem Aufpoppen der urbanen Einkaufszentren ihre Pforten schließen und so kam es, dass viele Schleifaufträge sowie StammkundInnen wegfielen. Neue KundInnen sind die Kebabläden, die ihre Messer dafür schleifen lassen. Davon gibt es im ANNENViERTEL einige.

DAS KUTTERMESSER
Als Kuttern wird der Vorgang des Fleischzerkleinerns in der Metzgerei bezeichnet. Dazu kommt ein Kutter zum Einsatz. Diese Maschine, die auch als Schneidmischer bezeichnet wird, kann Fleisch und Fettgewebe mit Unterstützung von Eis und Salz teilen und mischen. Im Gerät arbeiten sich Kuttermesser mindestens im 6er-Satz durch das Fleisch.

Scala Messerfachwerkstätte / Foto © Clemens Nestroy

Fotos von Clemens Nestroy fotonestroy.com und Maria Reiner

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