Das DruckZeug – ehem. Buchdruckerei Alexander Bauer

Verein DruckZeug
Die ehemalige Buchdruckerei Alexander Bauer
Annenstraße 19 / Hofgebäude
8020 Graz
office@druckzeug.at
www.druckzeug.at

ÖFFNUNGSZEITEN
Aufgrund der aktuellen Lage bezüglich Covid 19 finden die Offenen Werkstätten flexibel statt. Die aktuellen Termine sind auf www.druckzeug.at zu finden.

KONTAKT
Ana Radulovic, Obfrau, office@druckzeug.at

UNSER HANDWERK
Drucken, Setzen, Vermittlung des Handwerks, Vereinstätigkeit

SONSTIGES
Einst eine Buchdruckerei, heute ein Verein, in dem versucht wird, das Druckhanderk zu erhalten und die Techniken an Interessierte weiter zu geben.

DAS BESONDERE
Schöne alte Werk- und Betriebsstätte, sehr engagierte Vereinsmitglieder, Einbindung Interessierter, alte Druckereimaschinen und -werkzeuge, offene Werkstätten.

WERDET MITGLIED – UNTERSTÜTZT DEN VEREIN
Alle Infos und wie ihr Mitglied werden könnt, bekommt ihr unter www.druckzeug.at

Betriebsbesuch DruckZeug

Die Buchdruckerei A. Bauer
Im Hof der Annenstraße 19, im Nebengebäude des Bürgerspitals – der alten Küche, befindet sich seit ca. 1870 eine Buchdruckerei.

Nach den Gebrüdern Huber bildete sich hier die  1. Steirische Genossenschaftsdruckerei, ein frühes aber leider erfolgloses, genossenschaftliches Experiment. Nach kurzer Zeit zerstritten und pleite endete dieses Unternehmen, wurde dann von August Wagner 1876 übernommen und bis 1913 geführt.

In den 1880ern wanderte Alexander Bauer, der Großvater von Edith Bauer, von Ungarn nach Österreich ein und begann eine Ausbildung als Setzerlehrling bei August Wagner. 1913 kaufte Alexander Bauer den Betrieb mit acht Angestellten von Wagner.

Sein Sohn, Alexander Bauer, begann früh in der Buchdruckerei auszuhelfen, lernte den Beruf des Schriftsetzers und übernahm 1940 nach dem Tod seines Vaters den Betrieb. Zu dieser Zeit waren bereits elf Mitarbeiter (Handsetzer, Drucker, Buchbinder und Hilfsarbeiter) angestellt.

Auch seine Tochter, Edith Bauer, wurde nach ihrem Abschluss in der Handelsakademie mit 19 Jahren als Setzerlehrling eingestellt. In der dreijährigen Ausbildung in der Berufsschule in Graz (Münzgrabenstraße) war sie das einzige Mädchen unter all den 14-jährigen Buben. Nach ihrem Abschluss ging sie für ein Jahr nach Wien, wo sie als erste Frau österreichweit die Höhere Graphische Lehr- und Versuchsanstalt absolvierte. Erst als ihr Vater 1971 verstarb, übernahm Edith Bauer die Buchdruckerei.

WAS WURDE GEDRUCKT?
Gedruckt wurde damals von Plakatdrucken und Werbedrucken alles bis hin zu Zeitungen und Büchern. Damalige KundInnen der Buchdruckerei Alexander Bauer waren unter anderem: die Steiermärkische Bank, die Grazer Wechselseitige Versicherung, der Landesfeuerwehrverband, der Jagdschutzverein, die Industriellen-Vereinigung, aber auch Kaufleute, Ärzte und Privatpersonen.

Die Schrift Fraktur ist Frau Bauers Lieblingsschrift


Foto von Karina Brünner

DIE DIGITALE REVOLUTION

Mit dem Informationszeitalter (Digitalen Revolution) wurden auch die Aufträge weniger. Viele kleine Druckereien mussten aufgrund der technologischen Beschleunigung ihre Pforten schließen. Auch der Familienbetrieb Bauer verlor aufgrund dessen einige Auftraggeber und so schloss die damals 68-Jährige Edith Bauer im Jahre 1998 ein Übereinkommen mit Wolfgang Khil, dem Inhaber der Druckerei Khil in der Neutorgasse. Durch die Übernahme der Druckerei Khil blieb die Druckerei Bauer mit der gesamten Einrichtung und Maschinen erhalten. Langfristig war es Wolfgang Khil jedoch nicht möglich, die Druckwerkstätte in ihrem Originalzustand zu bewahren. Maschinen und Mechanik müssen genutzt und gewartet werden, um gebrauchsfähig zu bleiben. Um einen Verfall zu verhindern und die Maschinen wieder in Betrieb genommen werden, wurde der Verein DruckZeug ins Leben gerufen.

Der Nachfolgeberuf zum Setzer ist der Druckvorstufentechniker oder die Druckvorstufentechnikerin, denn heute gibt es in diesem Beruf auch Frauen.

Der Verein DruckZeug

Der Verein „Freunde des Bleisatzes und des Buchdruckes in der Steiermark“, kurz DruckZeug, belebt die historischen Räumlichkeiten im Hofgebäude der Annenstraße 19 aufs Neue. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche erhaltenen Lettern, Klischees, aber auch Geräte und Maschinen, auf denen Druck- und Satztechniken beruhen, zu bewahren. Eines der Hauptziele ist es, dass Schriftsatz und Buchdruck nicht völlig in Vergessenheit geraten.
Personen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und Fertigkeiten treffen in der Druckwerkstätte aufeinander. Von KünstlerInnen und GrafikerInnen zu ehemaligen SetzerInnen und DruckerInnen bis hin zu Interessierten und Laien. Um die Thematik auch der Öffentlichkeit nahe zu bringen, werden vom Verein auch Workshops, Veranstaltungen, Schulungen, Führungen Vorträge und Diskussionsrunden abgehalten.

Die Finanzierung des Vereines läuft über die Stadt Graz und das Land Steiermark durch Projekt- und Infrastrukturförderprogramme. Im Februar 2020 umfasste der Verein rund 140 Mitglieder. Jede und jeder am Druck Interessierte/r ist kann Mitglied werden. Dazu muss man nur ein Beitrittsformular ausfüllen und einen Mitgliedsbeitrag von Euro 30,- pro Jahr (für SchülerInnen und StudentInnen Euro 15,- pro Jahr) bezahlen.

Foto von Karina Brünner

Ana Radulovic – Ein Verein mit einer sehr engagierten Obfrau

Ana Radulovic, selbst von Beruf Fotografin, kam im Mai 2015 zufällig am DruckZeug vorbei und war sofort vom Charme der Räumlichkeiten angetan. Im September des gleichen Jahres, wurde sie Obfrau Stellvertreterin und 2017 Obfrau. Ana fand ihren Zugang zum Drucken erst durch den Verein DruckZeug. Für sie ist es eine Besonderheit bei einem kompletten Entstehungsvorgang des Druckens dabei zu sein. „Es ist ehrlich und echt!“

Ihr ist es besonders wichtig, dass sich Kreativschaffende ausleben können und respektvoll mit dem Ort umgehen, den Ort nicht nur als Museum zu sehen, sondern als betriebene Werkstätte mit einem besonderen Handwerk, dass es zu kultivieren und an andere Menschen weiterzugeben gilt. Denn, „wenn du mit jemanden zusammen kommst und ein Spiel spielen willst, dann wird das niemanden lange interessieren, wenn man sich nur die Spielregeln vorlesen lassen darf!“ Die Leute müssen mitspielen dürfen.

Infos zum Drucken und zum Druckhandwerk

Das DruckZeug ist auf den Hochdruck (oder auch Buchdruck) spezialisiert. Es wird kein Tiefdruck oder Siebdruck gemacht.

Im Druckzeug findet man die unterschiedlichsten Druckpressen wie etwa:
Handtiegel, Handabzugspresse (Korrex, Asbern), Kniehebelpresse, Liberty Tiegel, Heidelberger Tiegel und Heidelberger Zylinder (von denen die letzten beiden nur der Drucker Hannes Schneeberger bedienen darf, alle Pressen, die nicht strombetrieben sind, dürfen auch von Gästen genutzt werden).

Nyloprint Klischees werden im Verein unter anderem auch selbst hergestellt. Dazu werden bei den Vorlagen gewisse Teile undurchlässig und andere Teile durchlässig vorgefertigt. Die Nyloprintplatten werden belichtet, der Rest wird weggewaschen und das Erhabene bleibt übrig. Diese Klischees werden dann zur Infinitive Factory (Christian Ursnik) geschickt.

Um Bilder zu drucken, verwendet man Linolschnitte und sog. Klischees. Ein Klischee kann aus Nyloprint oder Zinkplatten bestehen. Die Vorlagen für die Zinkklischees werden zur Infinitive Factory (Christian Ursnik) geschickt, der dann für den Verein die Herstellung organisiert.

Es gibt Lettern aus Holz, Blei und Messing – alle haben eine andere Funktion: Die riesigen Lettern sind aus Holz, weil das Material leichter ist. Zum Buchprägen verwendet man Messing, da das Material härter ist.

BEGRIFFE IN DER TYPOGRAPHIE
Der Setzkasten ist ein in der Handsetzerei verwendeter Sortierkasten für Lettern im Bleisatz.
Ein Setzkasten enthält immer nur Typen derselben Schriftart, Schriftgröße und des Schriftschnitts.
Außer den Schriftzeichen enthält der Kasten auch nicht druckendes Material, das Blindmaterial. Nicht enthalten sollte er „Fische“.

Als Blindmaterial bezeichnet man das nicht druckende Material einer Druckform im Bleisatz. Nichtschrifthohe und damit nichtdruckende Teile des Satzes, wie z. B. Ausschluss, Quadrate, Stückdurchschuss, Regletten und Stege. Der Ausschluss im Handsatz ist der Teil des Blindmaterials, der zwischen den Worten oder Zeichen einer Zeile eingesetzt wird.

Fisch bezeichnet man irrtümlich abgelegte Lettern ins falsche Fach des Kastens.

Zwiebelfisch sind irrtümlich falsch abgelegte Lettern aus einer anderen Schriftart oder eines Schriftschnitts.

In der Fischlade gibt es alles was „verfischt“ ist. „Es ist was verfischt!“, so sagen SetzerInnen dazu wenn sie etwas verloren haben). Lettern die heimatlos sind und die man nicht mehr zuordnen kann landen in der Fischlade.

Als Typometer oder Typomaß bezeichnet man einen typografischen Maßstab. Für den „Satz“ mit beweglichen Lettern ist er oft aus Neusilber oder aus Stahl gefertigt, einige Modelle verfügten über einen hakenförmigen Anschlag am Nullpunkt. Die aufgebrachten Teilungen umfassten oft vorkommende Schriftgrade im typografischen Maßsystem wie Petit, Nonpareille, Cicero, Konkordanz, zusätzlich gab es eine Teilung in cm. Hauptaufgabe war die Messung und Kontrolle von Schriftgraden, Kegelhöhen, Zeilenlängen und Durchschuss. Dieses Typometer ist ein Werkzeug der SetzerIn, die/der für die Arbeit mit beweglichen Lettern außerdem noch eine Ahle, einen Winkelhaken und eine Pinzette benötigte.

Cicero heißt im Bleisatz eine der mittleren Schriftgrößen. Sie hat eine Kegelhöhe von zwölf Didot-Punkten, das entspricht 4,512 mm. Die Entsprechung in zwölf DTP-Punkten misst 4,233 mm.

Konkordanz ist ein Maß für die Schriftgröße in der Typografie. Es entspricht 4 Cicero also 4×12 Punkt = 48 Punkt = 18,048 mm bzw. bei Gleichbenennung von 48 DTP-Punkten auch 16,93 mm.

Als Eierkuchen bezeichnet in der Drucksprache durcheinander geratene Lettern, zum Beispiel durch versehentlich auseinandergefallenen Satz.

Das Klischee (von französisch cliché) ist die Bezeichnung für die Nachbildung eines Originals in irgendeinem Produkt (Holz, Kupfer, Messing, Zink usw.), die geeignet ist, in der Buchdruckpresse gedruckt zu werden; auch Stereotypabgüsse, galvanische Reproduktionen, Holzschnitte und Ätzungen mit bildlichen Darstellungen sowie Schriftsatz-Reproduktionen werden so bezeichnet.

Foto von Karina Brünner

EIN KLISCHEE FÜR DEN DRUCK HERSTELLEN

(Quelle: https://www.kartonara.de/wissenswertes/verpackungsmaterial/was-ist-ein-klischee-herstellung-3d-druckvorlage)

Früher bestanden Klischees aus Zink oder anderen Metallen. Heute bestehen die Rohklischees meistens aus Kunststoff, Stahlband oder Keramik. Bei sehr großen Auflagen kommen auch galvanisierte Vorlagen zum Einsatz, die länger halten. Die Herstellung erfolgt in mehreren Schritten. Anders als früher findet die Vorarbeit am Computer statt. In einem Grafikprogramm wird eine Vorlage des zu druckenden Inhalts, Signets oder Bildes erstellt. Dieses Resultat wird nun negativ dargestellt, helle Bereiche werden dunkel und dunkle hell. Dadurch entsteht eine Vorlage, die einem Negativ bei der analogen Fotografie entspricht. Danach kommt die eigentliche Klischeeherstellung. Hier ein Beispiel für ein Kunststoffklischee:

  1. Die Vorlage wird auf eine Folie ausgedruckt.    
  2. Um später Unreinheiten zu vermeiden, werden die schwarzen Bereiche auf dem Negativ bei Bedarf mit Tonerverdichter behandelt. Das verhindert, dass diese Bereiche unerwünscht Licht durchlassen.
  3. Nun wird die Folie durch ein Vakuumverfahren eng auf das seitenverkehrt (gespiegelt) liegende Klischee gepresst.
  4. In einem Belichtungsgerät dringen UVB-Strahlen durch die hellen Bereiche auf das Klischee, während die schwarzen das Licht blockieren. Beim Belichten entsteht so ein Positiv, das einem     Spiegelbild des auf dem PC ursprünglich gestalteten Motivs entspricht.    
  5. Es folgt das Auswaschen. Durch die UV-Strahlen sind die belichteten Stellen gehärtet, die nicht belichteten Stellen weiterhin weich. Die Vorlage kommt in ein leicht ätzendes Spezialbad, in dem die weichen Bereiche sich vom Klischee lösen. Ggf. sind Reste durch Bürsten zu entfernen. Das Resultat ist ein gespiegeltes 3D-Format der ursprünglichen Vorlage, das auch Klischee-Bild heißt.
  6. Diese Vorlage kann nun im – wegen der 3D-Erhebungen – so bezeichneten Hochdruckverfahren vervielfältigt werden.

In Fotos vom DruckZeug schmökern:

Fotos: Karina Brünner, Lektorat: Textstudio Graz

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